BEWERBUNG SCHREIBEN
Anschreiben schreiben: Aufbau, Struktur & Beispiele
Leerer Bildschirm, blinkender Cursor, und Sie tippen zum fünften Mal „Hiermit bewerbe ich mich“ — und löschen es sofort wieder. Kennen wir. Das Anschreiben ist das Dokument, an dem selbst gestandene Berufstätige verzweifeln, obwohl es eigentlich nur eine Seite lang sein muss. Dieser Leitfaden zeigt Ihnen den Aufbau, gibt Ihnen Sätze zum Abwandeln und erklärt, warum „mit großem Interesse habe ich Ihre Stellenanzeige gelesen“ niemanden mehr beeindruckt.

Was gehört in ein Anschreiben?
Ein Anschreiben enthält Absender, Empfänger, Datum, Betreff, eine persönliche Anrede, drei inhaltliche Abschnitte (Einleitung, Hauptteil, Schluss) sowie Grußformel und Unterschrift.
Mehr braucht es nicht — und mehr will auch niemand lesen. Falls Sie weitere Dokumente wie Lebenslauf, Zeugnisse oder Zertifikate beilegen, gehört zusätzlich ein kurzes Anlagenverzeichnis dazu, meist als letzte Zeile unter der Unterschrift.
Anschreiben, Bewerbungsschreiben oder Motivationsschreiben — was ist der Unterschied?
Anschreiben und Bewerbungsschreiben sind in Deutschland dasselbe Dokument, nur mit zwei Namen — offenbar konnte man sich nicht entscheiden. Ein Motivationsschreiben ist etwas anderes: meist länger, freier formuliert und zusätzlich zum Anschreiben verlangt, etwa bei Studienplätzen, Stipendien oder Traineeprogrammen.
Steht in der Stellenausschreibung nur „Bewerbung“ ohne weitere Angabe, reichen Lebenslauf und Anschreiben völlig aus — ein zusätzliches Motivationsschreiben müssen Sie sich dann nicht antun.
Wie ist der Aufbau eines Anschreibens?
Ein Anschreiben folgt einem festen Aufbau aus fünf Blöcken — von der Kopfzeile bis zum Schlusssatz. In Deutschland orientiert sich die Formatierung von Geschäftsbriefen an der Norm DIN 5008, die selbst für Ränder und Zeilenabstände eine Meinung hat.
Konkret schreibt die Norm vor: Seitenränder von 2,5 cm links, 2,0 cm rechts, 4,5 cm oben und 2,5 cm unten. Zwischen Absätzen steht jeweils eine Leerzeile. Beim Datum sieht die aktuelle DIN 5008 die internationale Schreibweise vor (z. B. 2026-03-15) — im Alltag hat sich für Bewerbungen aber weiterhin das deutsche Format Tag.Monat.Jahr durchgesetzt, und beides wird akzeptiert. Quelle: ZEITBLÜTEN, DIN 5008
| Abschnitt | Inhalt |
|---|---|
| Kopfzeile | Ihre Kontaktdaten, Datum, Anschrift des Unternehmens |
| Betreff | Bezeichnung der Stelle, ggf. Referenznummer |
| Einleitung | Wie Sie auf die Stelle aufmerksam wurden, kurzer Einstieg |
| Hauptteil | Qualifikationen, Erfahrung, Bezug zur Stelle |
| Schluss | Zusammenfassung, Grußformel, Unterschrift |
Wie lang sollte ein Anschreiben sein?
Eine Seite reicht aus — und zwar wirklich eine, nicht eine-Seite-mit-9-Punkt-Schrift. Personalabteilungen lesen viele Bewerbungen; ein Anschreiben, das über eine Seite hinausgeht, wird selten vollständig gelesen, egal wie gut Absatz drei ist.
Wie beginnt man ein Anschreiben richtig?
Steigen Sie konkret ein — mit der Stelle, einem Bezug zum Unternehmen oder Ihrer Motivation. Und lassen Sie „hiermit bewerbe ich mich“ bitte im Wortschatz der 90er: Personaler haben diesen Satz mindestens so oft gelesen wie Sie ihn geschrieben haben.
5 Beispiele für Einstiegssätze
„Als ich die Stellenausschreibung für die Position als [Position] bei [Unternehmen] gelesen habe, war mir sofort klar: Genau diese Verbindung aus [Kompetenz A] und [Kompetenz B] bringe ich mit.“
„Seit [Zeitraum] arbeite ich als [Beruf] und möchte diese Erfahrung nun bei [Unternehmen] einbringen — insbesondere im Bereich [Fachbereich].“
„[Name einer Kontaktperson] hat mir von der offenen Position als [Position] erzählt — nach dem Gespräch war mein Interesse geweckt.“
„[Unternehmen] steht für [Wert/Projekt, das Sie überzeugt] — genau deshalb möchte ich Teil des Teams als [Position] werden.“
„Während meines Studiums der [Fach] habe ich mich intensiv mit [Thema] beschäftigt — ein Feld, das bei [Unternehmen] eine zentrale Rolle spielt.“
Was gehört in den Hauptteil?
Zwei bis drei konkrete Beispiele aus Ihrer bisherigen Erfahrung, die genau zu den Anforderungen der Stellenausschreibung passen — nicht Ihr gesamter Lebenslauf noch einmal in Textform. Den kennt die Personalabteilung schon, er liegt direkt daneben.
Gehen Sie von den Anforderungen der Stellenanzeige aus, nicht von Ihrem Lebenslauf: Suchen Sie zu jeder wichtigen Anforderung ein konkretes Beispiel, statt Ihre Stationen chronologisch abzuarbeiten wie eine Einkaufsliste. Ein bis zwei Sätze zum Unternehmen selbst — warum gerade dieses, nicht irgendein anderes — runden den Hauptteil ab.
Wie baut man Soft Skills glaubwürdig ein?
Nennen Sie Soft Skills nicht als Aufzählung, sondern anhand einer konkreten Situation. „Ich bin teamfähig“ glaubt Ihnen niemand — das steht in jedem zweiten Anschreiben. Schreiben Sie stattdessen, in welchem Projekt Sie mit wie vielen Personen zusammengearbeitet haben und was dabei entstanden ist. Das macht die Aussage überprüfbar statt bloß behauptet.

Wie beendet man ein Anschreiben?
Mit einem kurzen Satz, der Interesse an einem persönlichen Gespräch signalisiert, gefolgt von einer klassischen Grußformel wie „Mit freundlichen Grüßen“ und Ihrer Unterschrift. Kein Feuerwerk nötig — der Hauptteil hat seine Arbeit schon gemacht.
3 Beispiele für Schlusssätze
„Gerne überzeuge ich Sie in einem persönlichen Gespräch von meiner Motivation für diese Position.“
„Über die Einladung zu einem Vorstellungsgespräch würde ich mich sehr freuen.“
„Ich freue mich darauf, meine Erfahrung im Bereich [Fachbereich] persönlich mit Ihnen zu besprechen.“
Muss das Anschreiben handschriftlich unterschrieben werden?
Nein — Ihr Füller kann im Schrank bleiben. Bei digitalen Bewerbungen reicht eine eingescannte oder digital eingefügte Unterschrift völlig aus. Handschriftlich unterschrieben wird nur noch bei postalischen Bewerbungen, die inzwischen fast so selten sind wie Faxgeräte.
Häufige Fehler im Anschreiben
- Textbausteine, die man wiedererkennt: ein Anschreiben, das erkennbar für viele Stellen gleichzeitig geschrieben wurde, fällt Personalabteilungen fast immer auf — auch wenn Firmenname und Position sorgfältig ausgetauscht wurden.
- Der Lebenslauf in Prosa: das Anschreiben soll ergänzen, nicht den Lebenslauf noch einmal in ganzen Sätzen nacherzählen.
- Fehlender Unternehmensbezug: ohne konkreten Bezug zur Stelle oder zum Unternehmen könnte das Anschreiben an jede beliebige Firma gehen — und das merkt man ihm an.
- Inkonsistente Formatierung: unterschiedliche Schriftgrößen oder Abstände, meist Verrat einer Zusammenkopier-Aktion aus alten Bewerbungen.
- Unbelegte Soft Skills: „teamfähig“ oder „belastbar“ ohne ein konkretes Beispiel werden von Personalabteilungen meist überlesen — quasi Bewerbungs-Rauschen.
- Zu spätes Verschicken: wer erst am letzten Tag der Frist einreicht, wirkt selten so vorbereitet wie jemand, der ein paar Tage früher dran ist.

PASSENDE VORLAGEN
Anschreiben, das nicht wie Textbaustein aussieht
Ein Anschreiben wirkt am überzeugendsten, wenn es zum restlichen Bewerbungsdesign passt — statt wie ein Word-Standardformat aus 2009. Diese Kenogy-Vorlagen enthalten ein fertig gestaltetes Anschreiben als Teil eines abgestimmten Bewerbungssets:


